Welpe Sirius reist in die Schweiz

Flieg, Hundefamilie, flieg!

Flughafen Thessaloniki, ein Februarmorgen um halb Sechs. Eine Spur von Frühling liegt in der Luft, am Vorabend haben die Leute am Strand geschlemmt und getanzt, und die Sonne tauchte die Szenerie erst in pinkes, dann in rotes Licht. An einem Tischchen sassen drei Menschen aus der Schweiz, und während sie Moussakka und Fisch genossen, machte sich Vorfreude breit - am nächsten Morgen würden sie die ganze griechische Hundefamilie, Mama Karina und ihre sieben Welpen, in die Schweiz bringen. "Auf gutes Gelingen!" - Die Rotweingläser klirrten leise.

Verheissungsvoller Sonnenuntergang am Strand vor der grossen Reise.

Die Nacht war kurz, um 05.30 Uhr zu Ende, und der Taxifahrer pünktlich. Verschlafen und gleichzeitig aufgeregt nehmen die drei Platz für die kurze Fahrt vom Hotel zum Flughafen. Eine davon bin ich. Und einer der Hunde gehört mir: Sirius, mit den lustigen Tüpfli auf dem Ohr und der Moccazeichnung ums Auge. Nervös sind wir alle drei. Was, wenn die Hunde noch nicht da sind? Wenn es Probleme gibt beim Check-in oder Zoll? Zum gefühlt hundertsten Mal folgt der Blick in die Tasche: Impfausweise, Bestätigungen, Pässe, alles da, alles gut.

 

 

"Kalimera! I'm at the Airport!" - Der Fahrer des Tiertransports schickt eine SMS.  Aus den zwei Boxen gucken neugierige Welpen Augen, kleine Pfoten quetschen sich an die Gitter, rosa Zungen schiessen hervor, leises, aufgeregtes Fiepen ist zu vernehmen, sieben kleine Schwänze bewegen sich unaufhörlich hin und her, und in diesem Moment sehen wir uns das erste Mal live und in Farbe, Sirius und ich. Ich bin sofort schockverliebt! Dieser frech-musternde Blick, aus einem Auge mit weissen und einem mit braunen Wimpern bezirzt mich. Ein bewegendes Gefühl nach über drei Monaten nur mit Fotos und Filmchen.  Ich würde den kleinen Kerl gerne an mich reissen, aber das geht allein aus Sicherheitsgründen nicht. Später, Sirius, später! 

Sirius (links) mit seinem Bruder Yuki kurz vor dem Abflug - im Hintergrund Balou, der Dritte im Bunde.

Die Zeit drängt, die Gefühle müssen warten. Zack, zack, die dritte Box aufbauen. Zack, zack, und nun wird es schwierig: die richtigen Hunde gemäss Zollformular zusammen in die richtige Box bringen. Wir finden zum Glück eine ruhige Flughafenecke. Die Kleinen sind quietschfidel, die Hundemama nervös, und so schirmen wir das Geschehen so gut wie möglich ab. Die Vorstellung, dass uns ein Welpe entwischen könnte, schwebt über allem.

Schliesslich - Tricks und Leckerlis sei Dank - ist es geschafft. Wir wischen uns den Schweiss von der Stirne, beschriften jede Box mit den Namen, prüfen die Verschlüsse. Die Dame vom Check-in kommt extra hinter dem Schalter hervor, um einen Blick auf die ungewöhnliche Fracht zu werfen. Sie guckt hinter jedes Gitter, überschlägt sich vor Begeisterung, lässt eine Welle griechischer Kosenamen los und stellt zügig die Boardingpässe aus.

Die Aufgabe am separaten Tier-Check-in ist denkbar einfach: Nach einer letzten Kontrolle rollen die Hunde dem Flugzeug in die Schweiz entgegen, und wir drei kriegen endlich den ersten Kaffee. Viertel nach Sieben, ausatmen.

Da rollen sie ihrer neuen Heimat entgegen.

Der griechische Wettergott spendiert zur Feier des Tages einen lieblichen Himmel und klare Sicht, wir fliegen über schneebedeckte Bergspitzen und die Buchten von Kroatien, im Wissen, dass die Welpen Schar und ihre Mutter nur wenige Meter entfernt an Bord sind.

Der Wettergott muss ein Hundefreund sein!

 

In Zürich wird es hektisch. Zwar werden die Hunde relativ rasch gebracht, sie wirken so aufgeweckt wie zuvor und so, als würden sie seit Jahren täglich fliegen. Aber dann kommt das erste Problem: Anders als in Thessaloniki passen die Boxen nicht auf die Gepäckwagen. Hierfür sei ein spezieller Transportservice zuständig, werden wir aufgeklärt. Also telefonieren. Warten. Wieder telefonieren. Nochmals warten. Der Wagen kommt. Wir hieven unser kostbares Mitbringsel auf die Ladefläche, es geht Richtung Zoll.

Die Beamten lesen jeden Chip ein - gar nicht so einfach bei diesem Gewusel - und gleichen die Nummer mit dem Pass ab. Sie prüfen alle Angaben akribisch, das Formular der Tierklinik, unsere Personalien und Adressen. Rechtlich gesehen kann jede Privatperson bis zu fünf Hunde in die Schweiz einführen. Es gibt trotzdem Fragen. Noch einmal heisst es: Geduld, Geduld, Geduld.

Dann, endlichendlichendlich: grünes Licht! Die Welpen fiepen, sie haben Hunger. Die Hundemama bellt wieder. Wir kommen zum vereinbarten Treffpunkt, die Besitzerinnen und Besitzer warten schon seit einer geraumen Weile und überhaupt: seit Monaten! Doch nun ist er da, der ersehnte Moment: Wir können unsere Hundekinder endlich in die Arme schliessen. Mitten im Stimmengewirr und Gelächter schmiegt sich Sirius vertrauensvoll an seine neue "grosse Schwester", fährt hernach im Auto wie ein Profi und schlingt in Rekord Tempo sein Futter hinunter. Er ist angekommen.

Sehnlichst erwartet in Zürich Flughafen.

Das Abenteuer mit dem kleinen Griechen kann beginnen.

Über die ersten turbulenten Wochen im neuen Zuhause gibt's hier bald mehr zu lesen. Und auch über die Besonderheit, wenn ein Welpe relativ reizarm aufgewachsen ist: Was bewirken die fehlenden Erfahrungen in der Prägungsphase? Und weshalb bloss war er so gechillt?

Bis bald wieder!

Eure Franziska

Ach, und was ich dringend ausrichten soll: Gruss und Kuss von Sirius!

 

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